Die SRG verbreitet die Inhalte ihrer Sender nach wie vor sehr breit in den sozialen Medien. Eine Zählung von 20 Minuten ergibt 150 Kanäle – mindestens.

Die Sender der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) verbreiten ihre Programme – anders, als es der Name vermuten lässt – längst nicht nur auf den klassischen Radio- und TV-Kanälen wie SRF, RTS oder RSI. Auch online sind die Angebote stark präsent.
Das ist seit Jahren ein Politikum. Im Abstimmungskampf zur SRG-Initiative nutzen die Initianten die vielen Kanäle als Argument für ein Ja. Sie fordern: Die SRG solle sich auf den «zentralen Auftrag des Service public konzentrieren».
Auch seitens der privaten Medien ertönte Kritik: Diese fühlten sich durch die gebührenfinanzierten Angebote konkurrenziert. Die SRG und die Gegner der Initiative argumentieren hingegen, dass sie im Netz die junge, aber auch andere Zielgruppen erreiche, die das klassische lineare TV- und Radioprogramm nicht nutzten.
20 Minuten hat nachgezählt – 150 Kanäle
Im Sommer 2023 prüfte 20 Minuten ein erstes Mal, wie viele Kanäle die SRG in den grössten sozialen Netzwerken besitzt. Ergebnis: insgesamt mindestens 169 auf den Plattformen Instagram, Youtube, Facebook und Tiktok.
Nun hat 20 Minuten erneut nachgezählt. Neu kommt die Plattform Whatsapp hinzu: Die Funktion, dort über «Kanäle» zu kommunizieren, existierte im Juli 2023 noch nicht. Ergebnis: Im Februar 2026 bespielt die SRG mindestens 150 Kanäle in mehreren Sprachen in den sozialen Medien.

Eine Liste mit all ihren Onlinekanälen wollte die SRG trotz Anfrage nicht zur Verfügung stellen. Somit bleibt ungewiss, ob die 20-Minuten-Recherche alle SRG-Konten ans Licht gebracht hat – sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Behind the Scenes
Um eine erste Übersicht über alle SRG-Konten in den sozialen Medien zu erlangen, nutzten die 20-Minuten-Redaktoren Stefan Lanz und Christina Pirskanen die künstlichen Intelligenzen von Claude und Gemini – Unterstützung beim Prompten erhielten sie dabei von ihrem 20-Minuten-Kollegen und KI-Experten Michael Andai. Mithilfe dieser Liste begann die Fleissarbeit: In einem ersten Schritt wurde manuell verifiziert, ob die von der KI gesammelten Konten auch wirklich auf den jeweiligen Plattformen existieren und in den letzten sechs Monaten aktiv waren.
In einem zweiten Schritt wurde diese Liste dann mit derjenigen der ersten Recherche 2023 händisch abgeglichen: Wurden seither Konten gelöscht? Wurden sie umbenannt? Oder sind neue hinzugekommen? Durch den zweiten Abgleich sowie eine manuelle Stichprobensuche konnten weitere vereinzelte Konten ausfindig gemacht werden, die der KI durch die Lappen gingen. Nach wie vor lässt sich nicht garantieren, dass auf diese Weise alle SRG-Konten gefunden wurden – dafür fehlt der Vergleich mit offiziellen Zahlen der SRG, welche diese auf Anfrage nicht zur Verfügung stellen wollte.
Tiktok – der grösste Ausbau
Bei der ersten Zählung vor zweieinhalb Jahren sendeten die Anstalten der SRG auf 12 Tiktok-Kanälen. Jetzt sind es mindestens 21. Zwei Konten verschwanden, zehn neue kamen hinzu. Ein Kanal blieb während der Recherche 2023 unentdeckt.

Facebook – der grösste Abbau
Am meisten Kanäle gestrichen hat die SRG auf Facebook.

Im Netzwerk, das gerade beim jungen Zielpublikum etwas aus der Mode gekommen ist, sendet die SRG noch auf mindestens 39 Konten regelmässig, ganze 23 weniger als noch vor zweieinhalb Jahren. Neue Konten liessen sich keine finden.

Youtube – Kanäle reduziert
Ihre aktiven Youtube-Kanäle hat die SRG auf 40 reduziert. Bei der letzten Zählung von 20 Minuten waren es noch 48 – allerdings zeigte die aktuelle Recherche, dass damals drei Kanäle unentdeckt blieben. 2023 wären es also eigentlich 51 gewesen.

Weniger Konten bedeuten ausserdem nicht unbedingt einen Rückgang an Präsenz. So sind im Kanal «SRF Dokus & Reportagen» unter anderem die Formate «Dok», «Mona mittendrin» und «rec.» zusammengefasst.
Instagram – unterdessen Kanal-Leader
Nach der Einstellung vieler Kanäle auf Facebook ist die ebenfalls zum Meta-Konzern gehörende Plattform Instagram nun das soziale Medium mit den meisten SRG-Konten. 44 Stück sind es heute – vor zweieinhalb Jahren waren es 48 Profile, inklusive zweier Konten, welche die erste Recherche vor zweieinhalb Jahren nicht ans Licht brachte. Das bedeutet: ein Rückgang um vier Konten seit 2023.

Whatsapp – der neue Kanal
Im September 2023, also nur wenige Monate nach der ersten 20-Minuten-Zählung, stellte Whatsapp die neue Funktion der «Kanäle» vor. Die SRG hat auch auf dieser Meta-Plattform Konten erstellt – sie ist aktuell mit mindestens sechs auf dem Messaging-Dienst präsent.

Das sagt die SRG
Die SRG selbst bestätigt auf Anfrage die Konzentration auf weniger Social-Media-Kanäle: Dies sei «Teil der Unternehmensstrategie» und noch nicht abgeschlossen. Die Auftritte auf Drittplattformen seien zuletzt «überall stark reduziert» worden, meint die SRG. Nach Zählung von 20 Minuten sind seit 2023 insgesamt 19 Kanäle weniger online oder aktiv. Zur Erinnerung: Damals zählte 20 Minuten mindestens 169. Eine eigene Zählung der Kanäle will die SRG «zu gegebenem Zeitpunkt» kommunizieren.
Auf die Frage, wie viele Mitarbeitende oder Stellenprozente die Bewirtschaftung der sozialen Medien bindet, sagt das Unternehmen, dass diese Aufgabe in den «trimedialen Redaktionen» meist neben anderen Aufgaben erledigt werde – deshalb lasse sich keine Anzahl nennen. Die Bewirtschaftung der Plattformen mache oft nur einen kleinen Teil der Aufgaben aus.
Ob neue Kanäle in den sozialen Medien geplant sind, will die SRG nicht genau sagen. Es heisst lediglich: «Der Fokus liegt bei eigenen digitalen Kanälen.» Damit gemeint sind unter anderem etwa Apps wie Play SRF.
Nach der Publikation des Artikels weist ein Sprecher der SRG darauf hin, dass die Kanäle der regionalen SRG-Trägerschaften, von diesen Organisationen selbst verwaltet werden.


