Reaktion auf einen NZZ-Beitrag zur Halbierungsinitiative
Mit Interesse habe ich den Gastkommentar «Reform statt Halbierung» von Alfred Gantner in der Neuen Zürcher Zeitung vom 13. Februar auf Seite 18 gelesen. Und ich gestehe: Zunächst empfinde ich Respekt. Respekt vor einer unternehmerischen Leistung, die aus einem Start-up die Partners Group und ihren Mitgründer zum Milliardär gemacht hat. Respekt auch vor seiner religiösen Verwurzelung bei den Mormonen – Disziplin, Langfristdenken, Gemeinsinn. Tugenden, die man nicht gering schätzen sollte.
Und ja, Bewunderung für den diplomatischen Achtungserfolg, den er und seine Mitstreiter für die Schweiz bei Donald Trump erzielt haben. Umso grösser ist mein Erstaunen über diesen scheinbaren Widerspruch: Ausgerechnet ein bekennender Liberaler, ein Mann, der Wettbewerb und Effizienz predigt, stellt sich nun vor die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft – ein staatsnahes Medienmonopol, finanziert durch Zwangsgebühren. Man reibt sich die Augen. Der gleiche Unternehmer, der sonst Skalierbarkeit, Marktkräfte und Preissignale beschwört, entdeckt ausgerechnet beim teuersten Medienapparat des Landes die Vorzüge planwirtschaftlicher Dauerfinanzierung. Reform ja – aber bitte ohne echte Zumutung. Wettbewerb ja – aber nur dort, wo er niemandem wehtut. Halbierung? Lieber nicht.
Der Staat könnte ja schlanker werden. Welche Überlegungen wirken hier im Hintergrund? Ist es wirklich nur staatsbürgerliche Sorge um die rätoromanische Kultur? Oder eher das pragmatische Kalkül, sich mit dem mächtigen Staatsmedium gutzustellen? Ein wenig Goodwill, ein wenig Wohlwollen, ein wenig medialer Schutzschirm schaden schliesslich keinem Investor – Honi soit qui mal y pense. Was Gantners Begründung im Kern trägt, mögen die Leserinnen und Leser selbst beurteilen. Ich traue ihnen dieses Urteil zu – und genau darauf sollte Medienvielfalt beruhen.
Stephan Rietiker, Baar

