Nathalie Wappler, zurücktretende Chefin des Deutschschweizer Radios und Fernsehens SRF, hat die pensionierten SRF-Mitarbeiter hausintern aufgefordert, sich lautstark gegen die SRG-Halbierungsinitiative vom 8. März einzusetzen. Bei den heute angestellten Radio- und Fernsehmachern gehe das eben nicht…
Einer, der die Anregung seiner früheren Vorgesetzten ausgiebig nachkommt, ist Reto Lipp, ehemals Wirtschaftsredaktor des Schweizer Fernsehens. Mittlerweile in Pension, kann er auf der Plattform X befreit aufspielen und muss seine politische Überzeugung nicht mehr verbergen.

«Wenn Oligarchen die Medien beherrschen», warnt beispielsweise der einstige Öffentlich-Rechtliche, und hat überhaupt eine neidgetriebene liebe Mühe mit den «Superreichen». So repostete Reto Lipp ein Bild, auf dem einige fröhliche Herren mit Banknoten zocken, und dazu den Text: «Wenn Reiche die Medien bestimmen, werden die Nachrichten käuflich.»
Die ebenso privaten wie reichen Verleger Coninx, Ringier, Wanner und viele andere werden sich freuen zu vernehmen, dass sie bloss «käufliche Nachrichten» verbreiten. Im Übrigen nützt die Halbierungsinitiative den Reichen kaum, denn diese können sich die 335 Franken Zwangsgebühren problemlos leisten. Profitieren von der Gebührensenkung um 135 Franken würden im Gegenteil jene Haushalte, die auf jeden Franken schauen müssen.
Reto Lipp begeistert sich auch über ein schlecht gemachtes KI-Bild von Christoph Blocher, wonach sich dieser über die SRG-Halbierung freue: Er habe ja schon «rund 30 lokale Zeitungen». Und er zitiert Ems-Chefin Magdalena Martullo mit einer Kritik an US-Präsident Donald Trump und der Zusatzbemerkung: «Spät kommt die Erkenntnis, aber sie kommt. Strahlt sicher auf die Weltwoche aus…» Mittlerweile gehört es offenbar auch zum Pflichtenheft eines pensionierten SRGlers, der Weltwoche am Zeug herumzuflicken.
Seinen früheren obersten Chef, Medienminister Albert Rösti, verbreitet Reto Lipp auf einem Bild mit der Überschrift «Öl- & Gas-Lobby in Feierlaune». Einzelne Wortmeldungen lassen auch am wirtschaftlichen Sachverstand dieses Wirtschaftsspezialisten zweifeln.
Ihm gefällt beispielsweise die Behauptung, Christoph Blocher wäre erledigt gewesen, wenn die AHV ab dem Jahr 2000 seinem Rat gefolgt wäre, in den Aktienmarkt zu investieren. In Wahrheit hat der Aktienmarkt seit 2000 insgesamt eine stark positive Entwicklung genommen und insbesondere seit 2010 ein massives Wachstum verzeichnet, getrieben durch den Technologiesektor und eine lockere Geldpolitik.
Man möchte dem ehemaligen SRF-Journalisten mehr Musse zum Nachdenken gönnen. Denn auch für Reto Lipp gilt: Die Pension ist die begehrteste aller Alterserscheinungen.
