Mike Müller zieht in den Kampf gegen die SRG-Halbierungsinitiative. Verständlich: Ohne den Staatsfunk würde den Solothurner heute wohl niemand kennen. Müller konnte sich dank der zwangsfinanzierten SRF-Reichweite einen Namen bei einem breiteren Publikum machen (vor allem «Giacobbo/Müller», «Der Bestatter»).
Seinen dadurch erworbenen Bekanntheitsgrad setzt er nun dafür ein, um vor der Halbierungsinitiative zu warnen. In der Schweiz sind die vermeintlichen Künstler und der Staat eng miteinander verwoben. Der rot-grüne Filz der linken Kulturszene wird durch die Monopolstellung des SRF zusätzlich gestärkt.
Aufgrund dieses Wettbewerbsvorteils auch im Hinblick auf den Abstimmungskampf erstaunt es deshalb, wie dreist Staatskomiker Müller nun üble Fake News verbreitet. In einem Interview mit der SonntagsZeitung bestreitet er die längst erwiesene Linkslastigkeit von SRF.
Diese, so Müller, sei nur ein «Ruf», der auf «ein rechtes Narrativ» zurückgehe, eine Erfindung von rechten Kräften. «Journalistinnen und Journalisten sind zwar tendenziell eher links. Aber wenn man schaut, welche Journalisten von SRF in die Politik wechselten, dann war doch fast keiner links», sagt Müller.
Dabei nennt er mit Filippo Leutenegger und Jonas Projer zwei ehemalige Arena-Moderatoren, die heute bei der FDP aktiv sind. Auch wenn Müller noch das Beispiel von Urs Wiedmer erwähnt hätte, einem weiteren früheren Arena-Moderator, der heute als Kommunikationschef von SVP-Bundesrat Guy Parmelin in bürgerlichen Gefilden unterwegs ist, seine Aussage könnte falscher nicht sein.
Erstens, weil die genannten Beispiele nicht nur die die Regel bestätigenden Ausnahmen sind. Sondern weil diese wenigen nicht-linken Journalisten den Staatssender ja längst verlassen haben. Wie die Realität bei privaten Medien, aber auch beim SRF aussieht, hat eine ZHAW-Studie des nicht gerade unter Rechts-Verdacht stehenden Medienprofessors Vinzens Wyss im November 2024 gezeigt.
Demnach geben 76 Prozent der befragten Journalisten an, dass sie sich selbst politisch links der Mitte verorten. 38.6 Prozent bezeichnen sich als «eher links», 37.1 Prozent als «ganz links», 6.7 Prozent als «Mitte», 13.8 Prozent als «eher rechts» und gerade 3.8 Prozent als «ganz rechts». Noch krasser wird das Bild, wenn man nur die Frauen befragt: 85 Prozent (!) der Journalistinnen verorten sich links der Mitte.
«Die Mär vom linkslastigen SRF stimmt also nicht so ganz», behauptet Müller im Interview. Dass er die evidenzbasierte Wirklichkeit einfach leugnet, verrät viel über die politische Kultur beim SRF. Man konnte – wie Staatskomiker Müller – Jahrzehnte am Zielpublikum vorbeisenden, ohne Konsequenzen zu befürchten. Nur ein Drittel der Gebührenzahler verortet sich links der Mitte.

