Schweizer Manager verdient Millionen mit der Serafe-Gebühr

20min.ch, 25.5.2026

Die Serafe AG hat 2024 sechs Millionen Franken an Dividenden ausgeschüttet. Davon profitiert der Westschweizer Unternehmer Cédric Moret.

Die Serafe AG erzielte 2024 einen Gewinn von 5,9 Millionen Franken und zahlte eine Dividende von sechs Millionen Franken an die Muttergesellschaft Secon AG aus.20min/Marco Zangger

Die Serafe AG, zuständig für das Inkasso der Radio- und Fernsehabgabe in der Schweiz, hat 2024 einen Gewinn von 5,9 Millionen Franken erzielt. Im selben Jahr wurde eine Dividende von sechs Millionen Franken an die Muttergesellschaft Secon AG ausgeschüttet.

Über mehrere Beteiligungen profitiert davon auch der Waadtländer Unternehmer Cédric Moret. Er kontrolliert über die Elca Group, einen der grössten IT-Dienstleister der Schweiz, 63,5 Prozent der Secon AG. Das berichtet die «NZZ am Sonntag».

Zahl der Betreibungen massiv gestiegen

Seit 2019 erhebt Serafe im Auftrag des Bundes von allen Haushalten eine Pauschale von 335 Franken, unabhängig davon, ob Radio- oder TV-Geräte vorhanden sind. Die Zahl der betriebenen Personen hatte sich zuletzt deutlich erhöht, wie der «SonntagsBlick» berichtete: 2024 habe Serafe 112’448 Betreibungen eingeleitet – doppelt so viele wie im Vorjahr. Für jede Mahnung erhalte das Unternehmen fünf Franken, für jede Betreibung 20 Franken.

Die Einnahmen stiegen laut Geschäftsbericht von 19,2 Millionen Franken im Jahr 2019 auf 24,4 Millionen Franken im Jahr 2024. Der Gewinn versechsfachte sich in diesem Zeitraum. Als Grund für den «ausserordentlich hohen Gewinn» im Jahr 2024 nennt Serafe die Auflösung einer Rückstellung, die für den Fall eines Mandatsentzugs gebildet worden sei. Diese sei nach der Verlängerung des Bundesmandats bis 2034 nicht mehr nötig gewesen.

Kritik von Medienwissenschaftler

Serafe erhielt den Auftrag ursprünglich 2016 nach einer öffentlichen Ausschreibung. Ein Sprecher begründet die Gewinnausschüttung mit dem damals eingegangenen «unternehmerischen Risiko». «Ohne potenzielle Rendite wäre ein solches Risiko sinnlos», so die Stellungnahme.

Kritik kommt von Medienwissenschaftler Otfried Jarren. Er sagt gegenüber der «NZZ am Sonntag», die Organisation müsse «zweck- und gemeinwohldienlich» handeln. Gewinne sollten vorrangig für Investitionen in das Einzugsverfahren genutzt werden, nicht an private Eigentümer ausgeschüttet werden.

Besitzverhältnisse seien komplex

Laut Recherchen der «NZZ am Sonntag» sind die Besitzverhältnisse bei Serafe komplex. Die Elca Group halte ihre Beteiligung über Zwischengesellschaften. CEO und Inhaber der Elca ist Cédric Moret. Er ist auch Verwaltungsrat bei der Migros.

Diskussionen über alternative Modelle gab es bereits. 2010 prüfte der Bundesrat, die Gebühr über die Steuerverwaltung einzuziehen, verwarf die Idee aber aus Sorge um die Unabhängigkeit der SRG. Andere Länder wie Norwegen, Schweden und Finnland finanzieren den öffentlichen Rundfunk längst über Steuern. In internationalen Rankings zur Pressefreiheit belegen sie weiterhin Spitzenplätze, wie die Zeitung anmerkt.

In der Schweiz steht die Finanzierung erneut zur Debatte. Die sogenannte Halbierungsinitiative will die Abgabe auf 200 Franken senken und für Unternehmen ganz abschaffen. Die SRG-Generaldirektorin Susanne Wille lehnt dies ab. Dass die Gebührenerhebung auch privaten Investoren Millionen einbringt, dürfte die Diskussion zusätzlich befeuern.

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