insideparadeplatz.ch, 8.2.2026
Jeder der 6’000 Mitarbeiter darf froh sein, dort irgendwo tätig zu sein. Die Jobs sind reizvoll, sehr gut bezahlt und werden selten gekündigt.
Kein mir bekannter gebildeter Schweizer, davon gibt es einige, hat sich jemals dazu bekannt, ein regelmässiger Zuhörer oder Zuschauer der Sendungen der SRG zu sein.
Sie nehmen die „Tagesschau“ von SRF 1 zur Kenntnis, ziehen aber „10 vor 10“ vor.
Respekt geniessen zu Recht die „Rundschau“ und der „Kassensturz“, aber der Ruf der einst wilden „Arena“ ist verblasst wie ein altes Handtuch.
Was auf SRF 1 sonst geboten wird und sich „qualitativ hochstehender Journalismus“ nennt, wird vom anspruchsvollen Teil des Schweizer Volks meist unter „nicht mit mir“ abgebucht.
Viele Bürgerliche halten die Sendungen für linkslastig. Es ist aber mehr eine sanfte Indoktrination, die sich dem grossen Kapital verweigert, die den Charakter des eher kleinbürgerlichen Mediums bestimmt.
Natürlich, weil die Schweiz, in Grenzen, immer noch ein demokratischer Staat ist, ist die passive Teilnahme bei politischen Diskussionen für Interessierte und oft Ältere eine Pflicht.
Stürmische Erregungen kommen vor, Herzinfarkte nie.
Jetzt lockt der Wintersport mit einer Olympiade in Mailand und Cortina. Mit zu fiebern, ist kein Verbrechen, zumal man sich Gedanken darüber machen kann, was die Schweiz bieten muss, sollte sie tatsächlich wieder einmal als Veranstalter antreten.
Mein Medien-Snobismus ist noch eine Spur höher angesiedelt, ist doch meine Lieblingssendung, die ich mehrfach täglich einschalte, im Radio SRF 4.
Dort werde ich klar und bündig informiert, fast so wie im Deutschen Länderfunk (DLF), der täglich 24 Stunden informative Spitzenleistungen erbringt. Damit ist schon gesagt: „Wer mehr wissen will, muss ausländische Medien anklicken.“
Die SVP gibt sich nicht viel Mühe, ihre Halbierungsinitiative beim Volk durchzusetzen. Sie weiss, dass ihre Wählerinnen und Wähler, die Alten auf dem Land, den „Samschtigjass“ ebenso mögen wie den original Schweizer Krimi mit dürftigem Plot.
Die immer gleichen betulichen Gesichter auf dem Bildschirm verstärken den Eindruck, „zur Familie“ zu gehören.
Man kombiniert: „Die Welt mag verrückt geworden sein, aber bei uns stimmt fast alles. Was bleibt, sind Schwächen.“
Damit ist gesagt, was es über die SRG und ihre zu vielen Sender zu sagen gibt: Als seit Jahrzehnten zunehmend verfettete mediale Kontrollstation des öffentlichen Schweizer Bewusstseins, dient sie den „couch potatoes“ aller Berufs- und Altersgruppen zur Vereinfachung ihres Weltbilds:
„Hinter Eglisau und weiter nördlich gibt es nichts Gutes, aber viel Ärgerliches, von dem wir nichts wissen wollen.“
Diese Unkultur, die sich allem Neuen, Ungewohnten und Fremden verschliesst, wird erkennbar an ihren Moderatoren und Selbstdarstellern.
Rainer Maria Salzgeber, dessen Vater schon ein attraktiver Mann war, gibt sich „sympathisch und nahbar“. Interviewt er Bundesrat Albert Rösti, muss dieser nicht fürchten, in eine Falle zu laufen.
Sabine Dahinden spricht in ihrer Vorabendsendung „die Sprache des Volkes“ das noch seltener als das Romanisch zu hörende Urnerische.
Nik Hartmann mit „Happy Day“ ist charmant, humorvoll und von grosser Gelassenheit. Das ist ziemlich identisch damit, wie sich der passive Schweizer die ideale Welt vorstellt.
Monika Vetsch („Bei ihr fühlt man sich wohl“) bringt mich regelmässig zum Abschalten des Senders oder zur Flucht in TV-sichere Räume.
Deshalb ist sie ihren Zuschauern immer „dankbar“, dass sie vor dem Bildschirm geblieben sind.
Sabine Boesch ist von dieser Abart eine Steigerung. Sie nennt sich selbst „ein Rudel- und Herdentier“ und ist stolz auf die denkbar seichtesten Interviews, welche sie verursacht.
Jeder der gut 6’000 SRG-Mitarbeiter darf froh sein, dort irgendwo tätig zu sein. Die Jobs sind reizvoll, sehr gut bezahlt und werden selten gekündigt.
Höchster Personalchef ist der frühere CVP-Politiker Jean-Michel Cina aus dem Walliser Rotwein-Dorf Salgesch. Er ist VR-Präsident der SRG seit 2017, also demnächst seit 10 Jahren.
Cina führt auch den Transparenz-Ausschuss, ist also verantwortlich für die SRG-Informationspolitik.
Alt-Bundesrätin Doris Leuthard, CVP, heute Mitte, verschaffte ihm diesen tollen Job, da die Walliser CVP traditionell ein Anrecht auf gute SRG-Spitzenjobs hat.
Wer sich gut erinnert, kannte Raymond Loretan, Walliser, der als VR-Präsident der SRG nicht viel lieferte, oder an Armin Walpen aus dem Goms, der sich gerne in den Schweizer SRG-Regionen mit Bauten verewigte.
Cina ist zuständig für die wichtigsten Personalentscheide. Er hat zuerst Gilles Marchand, der wenig brachte, dann Susanne Wille, auf den Thron des SRG-Generaldirektors gehoben.
Das Moderatoren- und sonstige SRG-Volk musste lernen, damit zu leben.
Wie einst der Zürcher Bankier Hans Bär von der gleichnamigen Bank ein Buch über die „verfetteten Schweizer Bankiers“ schrieb, denen die wahre Leidenschaft für ihren Job abhanden gekommen war, lässt sich dies auch auf die SRG als Staatssender übertragen.
Die SRG kommt aus den goldenen 70er, 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts, hatte viele Journalisten und Stars von mindestens Europaklasse und brachte aufregende Sendungen, deren Protagonisten, soweit sie noch leben, jetzt aus der Mottenkiste geholt werden.
Inhaltlich erneuert wurde punktuell, aber den Wandel der Zeit seit 25 Jahren machte die SRG mit vielen Sendern nur breiter, aber nicht besser.
Gleichzeitig veränderte sich die Schweizer Gesellschaft. Der Globalisierung folgend, siedelte sich eine internationale Geld-, Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kulturelite in der Schweiz an, die mit den biederen SRG-Prorammen, nun schon in der zweiten und dritten Generation, nichts mehr anzufangen wusste.
Die Jugend unter 20 Jahren wächst mit den digitalen Programmen auf und lässt die Sendungen der SRG links liegen.
Bleiben die Alten und die Trägen. In der Westschweiz und im Tessin, angespornt durch den lebhafteren Stil der ausländischen Konkurrenzsender, entstanden bessere Sendungen als in der Deutschen Schweiz.
Dort verriegelte man sich, gewohnheitsmässig, gegen alles, was „aus dem Norden“ kam, nicht aber ohne sein schwächelndes Korrespondentennetz mit „Kollegen“ aus den deutschen Sendern punktuell zu verstärken.
Die Unzufriedenheit mit der Qualität der Berichterstattung nahm zuerst bei jenen zu, die leicht zu ausländischen Sendern wechselten.
Das Ergebnis: Nur noch etwa 30 bis 40 Prozent der Deutschschweizer sind der SRG treu geblieben.
Das ist für einen Staatssender auf die Dauer zu wenig. Warum soll der Zuschauer dafür die höchsten TV-Gebühren Europas bezahlen?
Die Musik- und Filmszene gibt viel Geld aus, zusammen über eine Million Franken, um die SRG wie sie ist, zu erhalten.
Unsere Musiker, die immer weniger gehört werden, und unsere Filmer, deren Werke immer weniger gesehen werden, brauchen die Subventionen der SRG.
Barry, der Bernhardiner, und die „Tschugger“ lassen grüssen. Ein Walliser, auch aus Salgesch wie Präsident Cina, macht sich lächerlich über die Walliser. Ist derlei Humor subventionswürdig?
Bundesbern, seine Beamten und Politiker, brauchen die SRG. Dort können sie dem Schweizer Volk ungestört sagen, was es immer weniger glaubt.
Dort können sie sich an Scheindiskussionen beteiligen, andere der „Fake news“ beschimpfen und selbst den Guten spielen.
Dieses Staatstheater, Staatsradio und Staatsfernsehen gehört zur Demokratie wie der Stacheldraht zur Diktatur. In beiden Fällen geht es darum, das Weglaufen der Menschen zu verhindern.
Ja, die SVP hat sich bisher nicht leidenschaftlich für die Annahme der Initiative eingesetzt. Es wäre für sie einfacher gewesen, sie hätte darauf verzichtet, denn genau ihre Wähler sind es, die auf keinen Hellebarden-Kitsch verzichten möchten.
So sieht es derzeit aus, als würden die Gegner der Initiative mit leichtem Vorsprung als Sieger hervorgehen. Gold für Links, Silber für Rechts. Bronze für das Schweizer Volk.
Das „Wort zum Sonntag“ wird ihm den Weg in den Himmel zeigen. Der tägliche Börsenbericht den Entscheid erleichtern, wie man sein Geld am schnellsten verspielt.
Der jetzigen SRG-Praxis folgend, sollte man den Schweizer Nationalheiligen Niklaus von Flüe, wenn nicht zum VR-Präsidenten, so doch zum Schutzheiligen der SRG ernennen.
Er, der selbst nicht schreiben konnte, rief 1481: „Macht den zuun nit ze wiit“. Übersetzt heisst dies:
Macht den Zaun nicht zu weit, bleibt unter Euch. Geht nicht zu den fremden Fötzeln, und, dies vor allem, lasst sie nicht herein.
Nur elf Jahre später brach Christoph Kolumbus von Spanien aus in die Neue Welt auf. Die SRG hätte über derlei abenteuerlichen Unfug sicher nicht als Erste berichtet.